Alptour «Campo Blenio – Soredapass – Lampertschalp»

Auf den Spuren der «Blenderfamilien», die einst ihr Vieh über den Soredapass zur Sömmerung auf die Lampertschalp trieben!

Termin                       31. Juli 2022
Treffpunkt                  Dorfplatz um 7:00 Uhr
Dauer                          Wanderzeit 5 Stunden, ca. 8 Stunden unterwegs
Wanderführer/in        Die Tour wird geführt und begleitet
Sprache                      Deutsch
Zielgruppe                  nur Erwachsene, hochalpine Wanderung über den Soredapass (2700 m)
Teilnehmerzahl          Minimum 5
Kosten                        –
Route                          Dorfplatz – Busfahrt bis Lago di Luzzone – Wanderung über den Soredapass
.                                   bis zum Stafel Lampertschalp – Bus ab Ochsenstafel
Länge                         Busfahrt ca. 2 Stunden; Wanderung 7 km
Schwierigkeiten        Für Berggängige keine
Besonderes               Kleine Überraschung im Stafel der Lampertschalp
Anmeldung/              Bis 28. Juli im Tourismusbüro Visit Vals
Auskunft                    +41 (0) 81 920 70 70, visitvals@vals.ch

 

Beschreibung

Die Lampertschalp (inkl. Länta) gehörte von 1451 bis in die 50ger Jahre des letzten Jahrhunderts den Gemeinden Castro, Marolta und Ponto Valentino im Bleniotal. Die Beziehungen zwischen den beiden Talschaften – Valsertal und Bleniotal – hingen mit dem Weidenutzungsdruck zusammen, der in so manchem Fall zu einer über Pässe und Berggrate hinweg getriebenen und betriebenen Alpwirtschaft geführt hat. Die Lampertschalp ist nur ein Beispiel, aber ein besonders eindrückliches.Bauern aus dem Bleniotal waren auf Weiden der Alpennordseite angewiesen und haben bis 1885 die Alp über den Soredapass – mit Schafen vermutlich auch über den kürzeren Zugangsweg Bocchetta Fornee – bestossen. Die italienische Bezeichnung der Alp – Alpe Soreda – weist auf diese Tatsache hin. Auch der in Vals gebräuchliche Name Lampertschalp unterstreicht den südlichen Einfluss durch die Lombarden (Bauern aus dem italienischen Sprachraum).

Die Bestossung der Alp über den Soredapss durch die Bleniesi wurde aufgrund der schlechten Witterungsverhältnisse in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts eingestellt. Bauern waren damals gezwungen, das Vieh durch das Valsertal hinaus nach Ilanz zu treiben und dann wieder hinauf Richtung Lukmanierpass.[1]
Das Beispiel der Lampertschalp/Alpe Soreda an der Sprachgrenze zwischen dem deutschsprachigen Valsertal und dem italienischsprachigen Bleniotal ist in mehrfacher Hinsicht interessant. Einerseits stellen die damaligen Nutzungsverhältnisse eine besonders extreme Form der Bewirtschaftung dar – ein Ausdruck der Knappheit an Weideressourcen im Bleniotal. Andererseits ist das Beispiel auch exemplarisch für die alpwirtschaftlichen Verhältnisse im 15.Jahrhundert im Raum des heutigen Kantons Graubünden.

Einmalig ist im Fall der Lampertschalp/Alpe Soreda vor allem auch die Quellenlage. Die drei Gemeinden Castro, Marolta und Ponto Valentino wurden nach dem Kauf der Mehrheit der Alprechte 1451 von ihren Nachbaren Olivone und Aquila beim Alpaufzug nach Kräften behindert, was zu langen gerichtlichen Auseinandersetzungen führte. Zahlreiche Dokumente belegen nicht nur die rechtliche Situation, sondern beschreiben auch die Formen der Bewirtschaftung der Alp von den Alpwegen bis zur alltäglichen Arbeit der Sennen und Hirten.[2] Im Projekt Parc Adula sollte ein Netz von historischen Wegen die alten Wirtschaftsbeziehungen zwischen den drei Sprachregionen wiederaufleben lassen. Doch die Bevölkerung in den betroffenen Gemeinden lehnte die Idee eines zweiten Nationalparks der Schweiz ab – und damit auch den Erlebnisraum historischer Wege. Dass die Bemühungen nicht ganz umsonst waren, zeigt die Wegsanierung am Soredapass.[3].

 

[1] Vgl. Jörger, Bei den Walsern des Valsertales, S. 13 ff.
[2] Jäger, Georg, Geleitwort in: Pollini-Widmer, S. 12
[3] Gredig, Hansjürg, Der Parc Adula ist Geschichte – die Wege bleiben