Maiensässtour «Matta – Peil»

Mit der Familie Alfons und Fina Jörger-Stoffel, Valé, bergwärts «uf d Matta»!

Termin                3. Juli 2022
Treffpunkt          Dorfplatz um 9:00 Uhr
Dauer                  Wanderzeit 3 Stunden, ca. 4 Stunden unterwegs
Kulturführer        Markus Jörger
Sprache               Deutsch
Zielgruppe           alle Publikumsgruppen, Erwachsene und Kinder, leichte Wanderung
Teilnehmerzahl   Minimum 5
Kosten                  –
Route                   Dorfplatz – Rufena – Abersch Hus – Matta – Peil
Rückfahrt             mit Wanderbus ab Waldchappeli
Länge                   5 km
Schwierigkeiten   Keine
Besonderes          Kleine Überraschung beim Kiosk Peil
Anmeldung/         Tourismusbüro Visit Vals
Auskunft               +41 (0) 81 920 70 70, visitvals@vals.ch

 

Beschreibung

Die Maiensässtour führt vom Dorfplatz übers Abersch Hus ins Peiltal. Dort treffen wir auf ein knappes Dutzend Hofsiedlungen, die von Walsern und Walserinnen etwa im 13./14. Jahrhundert angelegt wurden. Diese deutschsprachigen Bauern besiedelten das Peiltal von Hinterrhein (Rheinwald) aus über den Valserberg. Neben Flurnamen mit romanischen Wurzeln (Das Gebiet war von Romanen bereits dünn besiedelt.) tragen die Höfe mehrheitlich deutsche Namen: Matta, Inder-Peil, Hofli, Furrahus, Chappelihus, Bodahus, Tobelhus.

Diese Höfe waren bis ca. Mitte des 19. Jahrhunderts ganzjährig bewohnt. Spuren der einst ganzjährig bewohnten Höfe sind unter anderem die grossen Wohnhäuser. Sie sind meistens unterkellert und zweistöckig. Uf dr Matta dürfen wir einen Blick ins «Matta Hus» werfen, um einen Eindruck zu bekommen, wie die Siedler im Peiltal einst lebten/wohnten und wie sich die Realteilung[1] auf die Hofsiedlungen ausgewirkt hatte.

Mit der Einführung der obligatorischen Schulzeit (Mitte des 19. Jahrhunderts) zogen die Peiler Familien nach und nach ins Dorf. Die Hofsiedlungen in Peil wurden dann weiter als Maiensässe genutzt. Das Wort ‚Maiensäss‘ leitet sich vom Monat Mai ab, in dem man das Vieh zum ersten Mal auftrieb; es bedeutet damit ‚Maiensitz‘. In der Walsersprache reden wir auch von Langsifart (Frühlingsfahrt) oder ganz einfach ‘langsenen’. Die Maiensässe stellen eine kulturlandschaftliche Besonderheit dar. Ihre Entstehung geht auf die jahrhundertealte Geschichte der Dreistufenwirtschaft in der Berglandwirtschaft zurück, einer Stufe der alpinen Transhumanz. Die Eigenständigkeit bestand darin, dass die gesamte Hofwirtschaft, die ganze Bauernfamilie auf das Maiensäss zog – im Frühling vor der Alpfahrt und im Herbst nach der Alpentladung je für ca. drei Wochen. Mit der Einführung der Ganzjahresschule in Vals anfangs der 70ger Jahre ging die traditionelle Maiensässzeit – die «Ferienzeit» für die ganze Familie zu Ende.

Bis zur verkehrstechnischen Erschließung der Maiensässgebiete in Vals vor ca. 40 Jahren wurde die Milch an Ort und Stelle zu Butter (Zieger und Käse) verarbeitet, was sich noch durch Inventar (Heimatmuseum Gandahus) nachweisen lässt. Die anfallende Magermilch beim Zentrifugieren oder die «Schotta» beim Käsen wurde den Schweinen verfüttert.

 

[1] Realteilung (historisch) oder auch Realerbteilungsrecht bedeutet, dass der Besitz einer Familie, insbesondere der Landbesitz (früher als Realitäten bezeichnet), unter den Erbberechtigten gleich aufgeteilt wird. Diese Aufteilung findet bei jedem Erbgang statt, sodass die Parzellen und Haus/Stallanteile stetig kleiner werden.